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Kirmesspruch 1999


Ihr lieben Leut, Rauestäner un Gest
me begrüßen euch zu unnern Jubiläumsfest!
650 Joahr is nu unner allseits beliebtä Gemäh -
650 Joahr is es schö die "Perle Südthüringens" - unner Rauestä.

Un hinsa - beinah a schö is hunnertsta Joahr,
gibt`s an Spruch am Pfingstmatich dös is doch wohl kloar.
Eigeweihta wissen, des me dodebei hört
von die Strech un die Malheur, die im Ort senn passiert.
Verlasen werd da Spruch in "platt" - unnera ächna Sprooch
nämlich darä vom Rauestäner Bodenlooch!

Heuer zum Jubiläum hett me beinah kenn Varsch zamm
gebracht.
Früher hat me die Martel, in Kurt un sein Mackie,
dös wor wengst a Sach.
Wos kunnt me uns über die vur Lachen in Bauch gehalt,
wa hinsa wos verret, werd von de Verwandtschaft ogespalt!
Su kumma immer na die klenn Fehltritt ans öffentlicha Lecht.
Weil a jeder aufpaßt, des a nett ze viel secht.

Jetzt wißt da, worüm unner Spruch werd gedicht,
auf Politik senn mir dobei überhaupt nett verpicht.
Die machen annerä als ihr Mandat un fä gor nett
weng Gald.
Bei uns regiert de Spaß heit un die Schadenfrad die Walt.

Drümm feiern mir a unner fazen Fest,
obwohl schö seit Johrna Rauastä
"Einheitsgemeinde" häßt.
Dofür gab´s scheinbor kenn Auswach, es mußt wohl su sei;
mir Rauastäner senn do ächen,
mir machen immer erscht hinterha a G´schrei!
Boffeld, ich will`s euch na sooch, is halbe su groß wie Rauastä
un die senn heit immer noch allä.


Gießerträger mir gett`s wie in Ritter Kunibert;
da is damals in seiner Rüstung verdörrt!!!


Versetzt euch doch mol nei die Zeit,
als sa tatsächlich noch gab, die alten Rittersleut.
Un überlecht euch mol, wie`s dannena wa,
wenn die Rauastä heit su künnten gesah!
Zemindest die Stroßen würden sa widda dekenna,
die woarn früher aus lauter großa Sta,
jetzt senn sa aus lauter Klenna.
Die Anzahl de Löcher hot die Gemäh auf die Helft runter gebracht -
un dös ganz efach - sie ham aus zwe klenna a groß gemacht!

Die Bahnhofstroß im öbern Durf ham sa fix noch ganz un goar neu formiert.
Demit sa debei nex verkehrt machen,
ham sa`s letztes Johr erscht an de Georgiistroß probiert.
Wa dös Schauspiel mitdeläbt hot un mol dort drüber is gefoahrn,
kann sich vürgestell wie`s ausgesahn hot vor 650 Joahrn.
Inzwischen gett sa einigermaßen un die Anwohner künna sich gefra,
denn fa die nächsten 10 Winter ham sa genug Splitt un künna gestra!

Unner früher geliebter Heinzensaal is jetzt in privater Hand.
Dort tut sich nex, a verfellt, un ich gläb,
des dä nett mol mehr g`scheit brennt.
Zu unnern Jubiläumsfest hatten mir uns deshalb vürgestellt,
es wär nett schlacht gewasen, hett na de "Christo" wie in Reichstag verhüllt!

Jetzt genn me mol weiter:
zum Markplatz mit sein "Ritter" - da kann sich werklich los gesah,
dös is a Schmuckstücklä woarn fa unnera Gemäh.
Doch mancha ham mit dan Nama wos durchananner gebracht,
die ham aus dan Marktplatz an Parkplatz gemacht.
Wie schö war`s, wenn da Platz öfter de Durfmittelpunkt wa
a als Kerwasplatz künnt sich de Marktplatz los g`sah!
Doch ihr habt`s ja die Woch gesahn - es is wie früher su besch.....
na an grossen Feiertochna un wenn Prominenz kümmt, werd sich da Hintern aufgerissen.

Un ohm am Schloß, ich will`s nett hoff,
baut me doch öba kenn ICE-Bahnhof?
Angeblich söll`s ja a Rollstuhlauffahrt zum Porzellanmuseum sei,
ober worüm kümmt do a Meter tief`s Packlager nei?
Wie dös funktionier söll, is mir suwiesu a Ratsel,
Ich mücht mit an Rollstuhl nett dara Häng no gebrätsel!

Mit meina Seitenhieb los ich erscht mol nooch,
ich denk, ihr wißt, wos ich demit wollt sooch.
Ho ich doch letztens gehört wie su a auswartiger Tourismus- un
Kulturbeduine
zu seiner Fra gesocht hot: "Das bezeichnende für diesen Ort ist seine Ruine!"
Dorthin los mes nett kumm, dös söll`s gewiß nett sei,
drüm Gießerträger ka lang`s Geschrei!
Bevur ich do stieh wie a huhler Zah,
rück fix mol mit an Glasla ha!


Zah is dös Stichwort, dös brengt mich auf dan Trechter.
Habt ihr denn am Kerchbarch schö gesahn unnera neun Lechter?
Restauriert sollt a ja schö lang wa, unner hohler Zahn,
doch bis jetzt ham die Restaurationstechniker noch kenn festen Plan.
Öb denn die Verwitterunga nur bei Dunkelhet fur sich genn,
des me die ganz Nacht hinsa die Lampla leßt brenn?
Senn dös öba besondera Strahlen, die me do secht -
vielleicht goar su a Oart ultraviolettes Lecht.
Von de Hand ze weisen wa dös nett emol,
beim Zahnarzt funktioniert`s doch a jedes mol.
Warn die Füllunga in die Gebisse gor knochenhort,
kann me`s doch von an Haufen Stah a dewoart.
Am End wissen me ölla, es liecht ja doch bloß am Gald.
Dös hot schö ewig regiert die Wält.
Wenn me die Verantwortung noch lang von an zum annern schiebt
hot da Zahn der Zeit endgültig g`siegt.


An Zah full döt ich a noch trinken,
dut doch dan Gießerträcher noch mol winken!


Über unnera Wertshäuser wöll` me hinsa wos sooch,
die ham mit die viel`n Vereinszimmer inzwischen ihr Plooch.
Denn jeder Verein, da wos auf sich helt,
hot sich a echna Theken nei sein Räumla gestellt.
Die alt Schul, die Kinnerkripp un die Schanz,
senn inzwischen su verwanzt.
Wie söll a Wertshaus do noch lab,
wie söll`s a Spiela dort noch gab?

In Urmel los me heuer suwiesu in Ruh,
bevur uns sei Sicherheitsdienst noch verkloocht,
weil a nämlich immer noch seinä "imaginären Eibrächer" jecht!
Ab un zu hot ja de Reinhard a mol a Ach zu gebracht,
do hot a einheimischer Sicherheitsbeamter in de Sauna übernacht!


In dan Wertshaus am Stroßenbarch ohm do gibt`s nie wos,
es liecht halt a wengla weit wag vom Schuß.
Doch Bambe, enes Toch`s stett a von de Triniushütt a Beitroch drinn
un müß` me zu Schluß goar wos definn!

Übern Kulturhaus gibt`s echentlich a nex ze berichten,
die halten sich a raus bei die Sprüchlesgeschichten.
Wenn me sieht, wie mancha dort auf`n Tanz rüm läfen,
denkt me me is auf an "Allientraffen"!
Un ohm in de Gaststumm do kann`s an passier
des de "selbsternannte Braumeister Ulli" greift zum Papier.
Denn wenn da dort (wie meistens) schö länger sitzt,
molt de von jeden Gast a Bleistiftskizz.
Echentlich is ja sei Hobby wie g`socht die Brauerei,
deswache senn a kenna bedeutenden Radierunga debei.

Im Hotel "Heckel" hot sich wos zugetrochen,
dös kunnt de gelab, dös is nett gelochen.
A Klassentraffen is ja immer a feina Sach,
do werd viel getrunken un über die Schulstrech gelacht.
An jungä Ma hot dös Trinken dobei am besten gefall`n
bevur a wagnickt dut a nur noch lall`n.
Dann noch kurzen Tiefschlof hot a seina Kräsla gezoochen.
Die annern ham sich vur Lachen geboochen.
Kreuz un quär durch dan Wertshaus hot a sich auf are Eckbenk gerett
un woar nu de Mänung, a sei dehemm in sein Bett.
A hot sich ausgezochen un zum Schloffen zerächt gemacht,
De Wert hot na fast nümmer munter gebracht.


Bevur ich mich hinsa de Margit zu wend,
gabt me a Bierla nei die Hand!


Heitzetooch gibt`s a Fieber - jeder will nei`s "Guinessbuch";
als gab`s auf de Walt nett schö Sorchen genuch.
Mancha setzen sich wochenlang auf an Pfahl,
annera schlahn stundenlang Porzelbäme, als hetten sa Köpf aus Stahl.
A poar Rauastäner wollten unbedingt a nei dan Buch,
kunnten sich bloß nett geähnich mit wos fä an Rekordversuch.
Entschieden ham sa sich fa "Dauerwertshaussitzen";
dodebei kümmt me wenigstens nett nei`s Schwitzen!
An an Freitich zemittooch woar bei de Margit de Stoart.
Die Wertsleut wußten ja noch nett, wos sa derwoart.
Am Anfang woarn sa noch entzückt
un ham sich abwachselnd mol nei`s Bett verdrück.
Sunnamd ze Ohmd als de Alkohol völlig zug`schlahn hat,
woarn ölla nur noch müd un matt
Von do a hot fa ölla is Rotationsprinzip zugetroffen,
entweder sie ham dumm gelabert oder geschloffen!
Un noch zwä Nächtna, am Sunntich früh
woar dös Spiela aus, vorbei un hie!
Beim nächsten Mol Männer, do klappt die Sach,
do loßt de nämlich a euera Fra`n mit mach.
Dann passiert euch a nett su wos wie neulich ze nacht,
als de wieder mol a lägera Prob habt gemacht.

Die Tachung zoch sich genausu lang naus,
in de Nachberschaft woar finster schö jedes Haus.
Es woar schö weit über Mitternacht,
do werd leisa, wie von Geisterhand die Tür aufgemacht.
Dan an sei Fra kümmt rei, wortlos un stumm;
langt mit de Hand zum Bierglos hin.
Schütt Bier un Schnaps über na aus,
dräht rümm sich un gett wieda naus.
Aner am Tisch summt leisa: "Hatt`st du a Glück,
dess des schö lägetrunken hatt`st a Stück!"

Die Fra is dann in dare Nacht
noch in an nassen Bett erwacht.
Von an Emer Wasser woar`s un nett ze weng.
Die Matratz hot jedenfalls zum Truckna auf`n Balkon müß klemm!


Lottospieler gibt`s im Durf viel - ich sälbst spiel a.
Doch es gewinna immer die annern un de Gäldbeutel bleibt la.
Es is wie immer im richtigen Lam,
zwa hot me richtig un die annern senn knapp denahm!
Zwa Rauastäner woarn bei de Margit eigekehrt
un wollten gleich guck: "Wieviel ham me verkehrt?"
Debei hatten sa fünf Richtiga auf ihr`n Schein,
es gab sofort Freibier, Schnaps un Wein.
Es is a Fest gemacht wurn, die Fräd woar riesengroß,
sie hatten gewunna un ölla Gäldsorchen los.
Gefeiert ham sa un Plän g`schmied die ganz Nacht
oba die Rächnung werd ja immer erscht zum Schluß gemacht.
Am Matich senn sa bald aus ihra Latschen gekippt,
denn 38 000 Mann hatten dös gleicha getippt!
Ihra Zukunftsplän senn geplatzt wie Säffenblosen.
360,- Mark kunnten sa eigesteck nei ihra Hosen.
Es woar nett de äzich Tiefschloch, dan sa ei mußten steck,
denn bei de Margit mußten sa sich noch mol streck.
Dort woar die Rächnung noch ze begleichen.
A mit fünf Richtichna gehör`n sa halt nett zu die Reichen!
Sie woarn kenna Gewinner mit Zaster un Gulden
sie woarn die Verlierer un hatten noch Schulden!


A Schälla "Gerstenkaltschale schenkt me ei,
sünnst is vurbei mei Laserei!


Weil mes grad su schö in Hols no rinnt -
ich denk doch des ihr euch besinnt.
an Harbst von dan vergangena Joahr,
su gorschtich wie`s lang kenna woar.
Mir hatten, wos sünnst nur mol im Frühjohr kümmt,
nämlich des de Rußgrund über die Ufer schwimmt.
In Harbst kam su viel Wasser runter
des es bei de Lissa unten hieß: "Land unter"!
Un wos söll ich dezehl, ihr werd`s nett glam.
Wie is Wasser am höchsten s
tand , woarn de Rainer un de Feuerwehrchef nett dehem.
Die ham an dan Toch a neu`s Feuerwehrauto gekefft -
derweil in Rauastä is Wasser zu die Kähler un Höf nei läfft.
Hinten Grohm wu mes werklich nett hett vermut,
wurd aus dan Rußgrund auf emol a springenda Flut.
An Gullydeckel goar hot`s hochgewörbelt
un Meter durch die Luft gezwörbelt.
Dös Phänomen gab Ratsel auf -
zwa Meter spritzt is Wasser nauf.
Wos die Ursach fa dan Springquall woar
is noch an fäzen Geschrei fix kloar.
Beim Kasper an de engsten Stell,
klemmt vom Bärch ohm - vom Vinicky de Hosenstall.
Mit dan Gewelger hatt me beim Rauszärr`n ka Not
dös woar ja emol schö moarsch wie Brühbrot.
Un trotzdam hatten`s mir Rauastäner werklich geschafft,
des is Wasser bei uns in Barch naufwarts laft!


Beim Grobmüll stellt me ölles naus,
wos kenner mer gebraucht im Haus.
Die Autos mit LIF un CO
senn schö von vurmittochs a do.
Die grehl`n die Haufen noch mol zamm,
die die Ausländer übrig gelossen ham.
An su an Toch is me gut bedient,
wenn me ölles wertvulla mit ins Haus nei nimmt.
Me denkt jedoch nett immer dra
un ganz genausu ging`s an Ma.
Sei Fohrrod sei geliebtes Stück
leßt a auf de Baustell ans Haus geläht zerück.
Beim hamwartsgenn do kam de Schreck,
sei Fohrrodla woar foart un wag!
Im Durf is a mit seiner Fra
noch jeden Trödelauto hinterha.
Von de Kahlerlamp bis zu Teppichboden
hatten die ölles auf ihra Autos geloden.
A ganza Wohnungseinrichtung hetten sa na wieder verklopft,
a hat ober bloß auf sei Rädla gehofft.
Vielleicht klingelt mol aner bei na, stellt euch mol vür:
"Schöne neue Fahrrad zu verkaufen - steht draußen vor Tür!"


Is unner Gießerträcher echentlich noch do,
denn über a Bierla wa ich werklich froh!


Noch 650 Joahrna gett`s uns weßgott gut,
dös sieht me am besten hinten in de Näh von de Hut.
An die ezichen Toch wu vuriges Joahr die Sunn hot g`scheint,
sah me do hinten vier Schoof unter an Sunnascherm vereint.
Die Viecher ham sich a schö dort drunter gelecht
un ham sich nur su wie die Sunn stand bewecht.


A poar Häuser nur dodefa foart
stenn zwa Männer mit fäzen Hütna in an Hof doart.
Von de Lehnersgass drüm secht schö a Ma:
"Fra guck de doch die zwä mol a!"
"Ja Ma, ich wess, die putzen schö zwä Stunn,
verbissen an ihr`n Auto rüm!"
Die Fra kunnt ja vom Weiten nett dekenn,
des dort zwa Vochelscheuchen stenn.
Die hot me extra hin gebaut,
des die Vöchelscheiße nett in Autolack versaut!
Dän Vöchelnä, die mit Vorlieb die Autos vullmachen,
söll mit dän zwa Kärlnä vergieh is Lachen!

Dodebei stellt sich fä mich a Frooch, ich tu`s gor nett verstenn,
worüm Vochelscheuchen echentlich immer Männer senn?????


Jetzt hett`s gefählt, ich wa vom Stuhl ro geprellt,
weil da Gießertracher a ke Bier ha stellt!



Fa heuer söll`s gewasen sei,
es muß ja wetter gieh mit de Tanzerei.
Mir Kerwa wünschen euch noch an sehr schön Tooch,
es gibt viel heit bei uns ze sähn, genießt dan zwetten Feiertooch.
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